Pia Janssen / Space Invader

7. Lutz Fritsch „Um-gang“ 1988/89

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Orange senkrechte Endpunkte einer Strecke, die unbegehbar ist, außer man wagt den Gang übers Wasser oder man umgeht das und läuft um den See.

Orange ist eine Farbe, die an die Sonne erinnert in ihren schönsten Aufgängen und Untergängen, gleichzeitig ist sie aufgrund ihres Rotstichs als Warnfarbe geeignet, um auf Außergewöhnliches hinzuweisen, zum Beispiel Achtung, Sonnenbrand, weil man sich zu vielen Sonnenaufgängen ausgesetzt hat; oder Achtung, Revolution; oder alle Achtung, kein Bild von Mark Rothko, sondern eine Skulptur von Lutz Fritsch.
Senkrecht ist nicht waagerecht, ist aber eine aus der waagerechten über die Diagonale lotrecht gebrachte Haltung, nicht schief, sondern aufrecht, nicht krumm oder gebückt, sondern gerade; ist etwas, das von sich sagen würde, es strebe vertikal gen Himmel und dabei verkennt, das oft schon am Ende des Horizonts der Himmel beginnt.
Endpunkte sind hier streng genommen gar keine Punkte, sondern, Nadeln gleich, den Erdboden mit den aufgescheuchten Wolken darüber vernähen wollende Verbindungsobjekte. Oder, wenn man so will, Grundpfeiler, die als Orientierung im Raum dienen, wenn die Luft um den See sich neblig verdichtet und das Licht einen chlorartigen Stich bekommt.
Strecke ist eine Wegeinheit, beliebig lang, nach Gutdünken oder vorheriger Absprache setzt man eine Länge fest, um darin zum Beispiel von Orange zu Orange zu kommen, um sie abzugehen, zu laufen, zu fahren, die Strecke kann aber auch
Unbegehbar sein, und wenn dem so ist, dann wünscht man sich, man könne wie Jesus übers Wasser laufen oder wie ein Geist darüber fliegen oder man hat zumindest genug Chemie im Labor seiner Einbildungen, dass man sich vorstellt, das Wasser entweiche, wenn man es nur streng genug befiehlt.
Man wagt ist etwas Anderes als ‚man tut‘, das ist Handeln in äußerster Anspannung. Menschen mit synästhetischer Wahrnehmung sagen, wenn sie etwas wagen wollen, dass sie sich heute ganz besonders orange fühlen und spitz wie ein stählerner Nerv.
Gang übers Wasser ist eine Redensart, die beim Gang durch unsere Sprachgeschichte etwas von ihrer religiösen Faszination verloren hat (siehe oben), stattdessen versucht man sich ständig über Wasser zu halten, wobei aber die Vorstellung manchmal verloren geht, wie nur. Diesen Konflikt
Umgeht man, indem man den Um-gang mit der Kunst wagt und bei Wind und Nebel oder einem großartig verblassenden Tag
Um den See läuft und sieht, wie bei Gewitter der niederschießende Blitz orangefarbenen Stahl weiß färbt.

Werktext

space-invader / hidden-sculptures

Autor: mythendermoderne (Pia Janssen) Würde eines Nachts, alle Skulpturen entfernt, wer könnte am nächsten Morgen sagen wo welche gestanden hat? Entlang des City-Sees, auf dem Creilerplatz und vor dem Rathaus Marl erzählen zehn Hörstücke vom eigenen und fremden Blick auf die Skulpturen in der Stadt. Geschichten entstehen und verbinden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander und werden so dem Narrativ der Skulptur habhaft. Der akustische Parcour entlang der Skulpturen vermittelt zwischen dem Unsichtbaren und dem Sichtbaren. Der Hörer wird Teil der Geheimnisse der Kunstwerke. Im Herbst 2015 verschwanden zehn Skulpturen im Aussenraum des Skulpturenmuseums Marl unter silbernen, hölzernen Umhausungen der Künstlerin Pia Janssen. Während der Zeit der umhüllten Skulpturen interviewte sie, gemeinsam der Schrifstellerin Bettina Erasmy zufällig vorbei gehende Passanten zu der Kunst am im Aussenraum des Museums. Dieses Tonmaterial und Fakten über die Bildhauer und ihre Zeit waren die Grundlage für die Kurzgeschichten die Bettina Erasmy für jede Skulptur schrieb. In der Regie von Pia Janssen entstanden 10 Hörstücke mit der Musik von Block Barley und 10 Sprecher*innen, die sich zu einem Hörparcour verdichten.

Projektbeschreibung
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